Pressestatement Dr. Gertraud Leimüller - Vorsitzende der Arge creativ wirtschaft austria - 4.12.2007

Creative Industries sind ein Standortfaktor: Ohne Kreativleistungen werden Innovationen unverkäuflich.

Einseitige Fokussierung auf High-tech schadet dem Wirtschaftsstandort.
Internationaler Wettlauf um Creative Industries.

In der österreichischen Wirtschafts- und Technologiepolitik wird das Potenzial der Creative Industries systematisch unterschätzt. Deshalb ist es eine Pionierleistung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit sowie des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, dass Sie sich bereit erklärt haben, gemeinsam mit der Arge creativ wirtschaft austria an die Öffentlichkeit zu gehen.
Die Creative Industries haben eine starke Rolle im Innovationssystem: Der Standort Österreich braucht Leistungen aus dem Branchenmix Design, Content, Software und Werbung, um neue Produkte und Dienstleistungen anderer Wirtschaftsbranchen verkaufen zu können. Eine starke Creative Industries ist unerlässlich, damit Österreich als Innovationsland reüssieren kann.
International ist ein starker Wettlauf um die Creative Industries in Gang: Großbritannien, die USA, Deutschland und die Schweiz buhlen genauso um die „kreative Klasse“ der Designer, IT-Leute, Musik- und Filmproduzenten und Werber wie China. Allein in Shanghai wurden in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der Regierung 75 kreative Clusters für junge Talente gegründet. Bis 2010 ist geplant, die Zahl auf 100 zu steigern. Ziel ist es, dass China vom produzierenden (und kopierenden) Land zum Designland wird.
In den nächsten Jahren entscheidet sich, wo tatsächlich Kreativzentren von internationalem Rang entstehen. Österreich ist hochgradig gefährdet, den Zug zu verpassen.

Forderungen:

  • Einbindung der Creative Industries in die wirtschafts- und technologiepolitischen Programme und Zielsetzungen der Ministerien. Im Regierungsprogramm ist von systematischer Förderung sowie einem Strategieplan aufgrund „der steigenden gesamtwirtschaftlichen Bedeutung“ der Kreativwirtschaft  die Rede. Zu sehen ist davon in der Praxis bei jenen Ministerien, die sich mit Innovation befassen, (noch) wenig.
  • Verlängerung des einzigen bundesweiten Förderprogramms, dem „ImpulsProgramm Creativwirtschaft“, das zur Prototypenförderung unentbehrlich ist. Während die Technologieprogramme aus den Offensivmitteln großteils bereits genehmigt sind, ist die Fortsetzung des ImpulsProgramm Creativwirtschaft ab der 2. Jahreshälfte 2008 noch nicht gesichert. Die Arge creativ wirtschaft austria appelliert insbesondere an den Bundesminister für Finanzen sowie an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, rasch für eine Fortsetzung zu sorgen.
  • Mehr Engagement der öffentlichen Hand bei der Schaffung von Kreativwirtschaftszentren (Creative Cluster). Solche Zentren (Inkubatoren) sind der Sauerteig, um eine starke Creative Industries entstehen zu lassen: Junge kreative UnternehmerInnen suchen bestimmte Milieus, in denen sie sich niederlassen und ihre Projekte entwickeln können. In Österreich gibt es solche Zentren bis auf wenige Ausnahmen (z.B. private Initiativen in Wien, öffentliche in Linz) noch kaum. Die Arge creativ wirtschaft austria fordert, nicht nur High-Tech-Gründerzentren zu betreiben, sondern auch Raum für die Kreativwirtschaft zu schaffen.
  • Bereitstellung von Risikokapital für die internationale Vermarktung hochkarätiger Kreativleistungen. Ähnlich wie im Hightech-Bereich gibt es hierzu in Österreich einen Mangel an verfügbarem Risikokapital. 
  • Erleichterung bei Anstellung erster MitarbeiterInnen. Um den Trend zu stoppen, dass in den Kernbranchen der Creative Industries kaum MitarbeiterInnen angestellt werden, sondern meistens auf Werkvertragsbasis beschäftigt werden, ist eine Senkung der Lohnnebenkosten nötig. Diese sind in Österreich die dritthöchsten Europas (Quelle: IW – Institut der deutschen Wirtschaft, Köln). Um vor allem jungen Betrieben das Wachstum zu erleichtern, fordert die Arge creativ wirtschaft austria eine Reduktion der Lohnnebenkosten bei der Anstellung des/der ersten MitarbeiterIn.

Rückfragehinweis:
Arge creativ wirtschaft austria
Wirtschaftskammer Österreich
Mag. Inga Focke
Tel. +43 (0) 5 90 900 4471
E-Mail: creativwirtschaft@wko.at
Internet: www.creativwirtschaft.at