Creative Industries in Europa und Österreich

Zahlen / Daten / Fakten:

Die herkömmliche Produktion entfernt sich immer mehr aus den Ländern der industrialisierten Welt – what´s next?

1. Die Creative Industries sind ein wirtschaftliches Schwergewicht, deren Bedeutung in den Dienstleistungsgesellschaften weiter zunehmen wird.

International: Studien zufolge wachsen die Creative Industries schneller als die Gesamtwirtschaft. In der EU-25 generieren sie mit 556 Mrd. Euro (2002) mehr Umsatzvolumen als die Energiebranche (534) oder die Maschinenbauindustrie (502). Sie ist damit fast so groß wie die Chemie-industrie (601) und erreichen fast eine Größenordnung wie die Automobilindustrie (721).

Österreich: Zu den Kernbereichen gemäß der in Österreich gebräuchlichen Definition zählen:

  • Design – Produktdesign bis hin zum Kommunikations- und Eventdesign
  • Werbung und PR
  • IT- und Contentindustrie – (jedoch ohne Hardware und Datenverarbeitungsdienste). Beispiele: Verlage, Medienbetriebe, eLearing u.v.m., Software-Programmierung, Spielehersteller
  • Architektur
  • Mode
  • Musik, Film, Video, Rundfunk, Fotografie

    Im Grunde handelt es sich bei den Creative Industries um ein horizontales Konzept quer durch viele Branchen und ohne scharfe Branchenabgrenzung (auch Handwerks- und Handelsbetriebe erzeugen mitunter typische Produkte der Kreativwirtschaft!). Gemeinsames Kennzeichen ist, dass es um die Produktion, den Vertrieb oder die Vermarktung kreativer Inhalte geht.

    In Österreich zählen rund 29.000 privatwirtschaftliche Unternehmen mit etwa 102.000 Beschäftigten zur Kreativwirtschaft. Damit übersteigt die Beschäftigtenzahl bereits jene der Automobilindustrie mit 70.000 Beschäftigten in der Kraftwagenherstellung und in Zulieferbetrieben in Österreich.

    Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl liegt bei 4 Personen je Unternehmen, wobei es eine Vielzahl an Einzelunternehmen gibt. Wie aus dem Zweiten österreichischen Kreativwirtschaftsbericht der Arge creativ wirtschaft austria zu entnehmen, sind rund 10 % aller Unternehmen und 4 % aller unselbständigen Beschäftigten Österreichs der Kreativwirtschaft zuzurechnen. Die Beschäftigungsdynamik ist hoch: Da viele Unternehmen der Kreativwirtschaft als Ein-Personen-Unternehmen gegründet werden, die Wachstumspotenzial besitzen, ist von einer steigenden Beschäftigung in einigen Teilmärkten auszugehen.

    Weitere Fakten http://creativwirtschaft.at/creative-austria/daten-fakten/6.htm

2. Die Creative Industries sind Vorreiter für eine neue Form des Wirtschaftens.

  • Entrepreneurship: Die Selbständigenquote ist in vielen Teilbereichen zumindest doppelt so hoch wie in der Wirtschaft generell.
  • Neue Form der Arbeitsteilung:  Viele Betriebe arbeiten stark vernetzt mit anderen Betrieben zusammen (Leistungsnetzwerke). Vorteile: Mehr Flexibilität, maßgeschneiderte Kompetenzen, wenig fixe Verwaltungskosten. Die Mitarbeiterzahl eines einzelnen Betriebes ist daher wenig aussagekräftig.
  • Projektwirtschaft: Der Rhythmus wird von den Projekten bestimmt und eher selten von dauerhaften Verträgen, deshalb gibt es Arbeitsspitzen und Leerläufen dazwischen.
  • Viele freie MitarbeiterInnen: Jedoch sind, entgegen der weit verbreiteten Meinung, nur ein kleiner Teil – 17 Prozent
  • - in prekären Arbeitsverhältnissen anzutreffen.
  • Hohes Qualifikationsniveau (viele akademische Abschlüsse).
  • Hohe Motivation: Geht um Sinn und Selbstverwirklichung, Tendenz zu freiwilligen Mehrleistungen (an Abenden, Wochenenden) und weniger um bloßen Broterwerb.
  • Verschwimmende Branchengrenzen: Die Art der Betriebe gehorcht nicht mehr herkömmlichen Brancheneinteilungen: Gehört Soundbranding zur Musikbranche oder zum Marketing? Ist ein Unternehmen, das ein innovatives „Hörkissen“ für Patienten herstellt, die mit Musiktherapie behandelt werden, wirklich ein Handwerksbetrieb, wie er in der Statistik geführt wird?

3. Wichtigste Problembereiche:

  • Hohes kreatives Potenzial, jedoch geringe kaufmännische Kenntnisse vor allem in jungen Betrieben
  • Tendenz zum Preisdumping, bedingt vor allem durch starke Konkurrenz in bestimmten Märkten (Design, Werbung, Architektur, ...)
  • Tendenz zur Selbstausbeutung/Burnout, bedingt durch hohen Idealismus, unregelmäßige Arbeitsverläufe und lange Arbeitszeiten
  • Mangelnder Zugang zu Kapital, um kritische Größen zu erreichen

Rückfragehinweis:
Arge creativ wirtschaft austria
Wirtschaftskammer Österreich
Mag. Inga Focke
Tel. +43 (0) 5 90 900 4471
E-Mail: creativwirtschaft@wko.at
Internet: www.creativwirtschaft.at

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